[Rezension] We will fall - Shannon Dunlap

Eine Liebesgeschichte


Quelle: Verlagsseite
Verlag: FISCHER Sauerländer
Hardcover mit 368 Seiten
Übersetzt von Henriette Zeltner
ISBN: 978-3-7373-5601-5
Empfohlen ab 12 Jahren
Erschienen am 23.10.2019
Preis: € 17,00 (D)





Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen





Gegen ihren Willen müssen Izzy und ihr Zwillingsbruder Hull nach Brooklyn ziehen. Sie verlassen ihre gewohnte Umgebung und müssen noch einmal ganz neu anfangen. Während Izzy schnell Kontakt zu Tristan aufbaut, fällt es Hull zunehmend schwerer, sich in der neuen Welt zu Hause zu fühlen.

Tristan lebt seit zwei Jahren bei seiner Tante und genießt das Leben an der Seite seines Cousins Marcus, der im Block gefürchtet ist. Niemand legt sich mit ihm an. Tristan gehört zu seinem Gefolge und verdient für Marcus als Schachspieler Kohle. Als Tristan das erste Mal auf Izzy trifft, ist es um ihn geschehen. Doch Marcus hat andere Pläne. Und diese passen überhaupt nicht zu Tristans und Izzys Wünschen.

Eine weiße Professorentochter verliebt sich in einen schwarzen Mitschüler aus dem Ghetto. Damit ist der Grundstock für eine tragische Liebesgeschichte gelegt, die mitreißt und den Leser in atemloser Spannung gefangen hält.

Die amerikanische Autorin Shannon Dunlap beschreibt mit dem Werk „We will fall. Eine Liebesgeschichte“ ihr Debüt. Sie verknüpft eine alte, literarische Geschichte mit der Moderne und bringt so die Romanze von Tristan und Isolde ins 21. Jahrhundert.

Im Mittelpunkt dieses herzlichen Romans stehen die Figuren Tristan und Izzy, die prägend für die ganze Geschichte sind. Während Izzy als Tochter von Professoren ein bisher unbescholtenes und behütetes Leben geführt hat, wird sie nun mit Brooklyn und ganz neuen Menschen konfrontiert. Sie ist eine herzliche Person, die für andere schnell zur Freundin wird. Doch sie wird auch genauso schnell ausgenutzt, denn sie ist noch etwas naiv und unbedacht.
Tristan führt zwar kein lupenreines Leben, doch er weiß Gut von Böse zu unterscheiden. Er trägt das Herz am rechten Fleck und würde für seine Tante und seinen Cousin Marcus sein letztes Hemd geben. Gemeinsam mit Izzy bilden sie ein harmonisches und liebenswertes Paar.

Doch die Geschichte kann nicht nur gute Charaktere hervorbringen, denn dann wäre die Handlung schnell erzählt. Nein, als Gegenspieler wird der intrigante und kompromisslose Marcus vorgestellt, der für die dramatischen und spannenden Ereignisse verantwortlich ist. Obwohl Marcus kein Sympathieträger ist, fällt es leicht, sich seine Person vorzustellen, denn er ist omnipräsent und ausdrucksstark. Der Bösewicht, der im Hintergrund die Strippen zieht und für jede Menge Ärger sorgt.

Die Handlung selbst ist durchweg authentisch gestaltet worden. Durch eine moderne Sprache wird die Geschichte ins aktuelle Jahrtausend katapultiert. Marcus und Tristan nutzen Ghetto-Ausrücke, die der Kulisse zusätzliche Reize verleiht. Hinzu kommt eine spannende und unterschwellig ängstliche Gestaltung, die den Leser in Aufregung versetzt. Wer die Geschichte um Tristan und Isolde kennt, wird ständig hoffen und bangen, dass die Autorin hier vielleicht ein paar Überraschungen in petto hat.

Shannon Dunlap verwendet einen lebhaften und mitreißenden Erzählstil. Durch ihre Worte wird die Geschichte glaubwürdig und wirkt realistisch. Alles wirkt wunderbar durchdacht und es ist einfach, sich auf die Erzählung einzulassen.

Eine Liebesgeschichte, die unter die Haut geht!

Mein persönliches Fazit:
Als ich das Cover zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich nicht, dass sich diese herzliche und tragische Geschichte auf den Seiten versteckt. Glücklicherweise habe ich es dennoch gelesen, denn nur so konnte ich mich von den Worten der Schriftstellerin verzaubern lassen.

Hier hat einfach das Gesamtkonzept gestimmt. Die Erzählung ist bildlich und einprägsam, weshalb ich mir alles ideal vorstellen konnte. Durch die Verwendung der derzeitig angesagten Umgangssprache wurde ich praktisch in die Handlung hineingeworfen, alles erhielt so ein Gesicht und wurde glaubwürdig und präsent.
Die Charaktere haben mich gereizt, denn sie sind alles facettenreich und bedeutend. Gerade der Wechsel bei den Erzählperspektiven, wodurch ich alle Protagonisten hautnah erleben konnte, hat für zusätzlichen Reiz und Dynamik gesorgt.

Ohne nun dem Ende zu viel vorweg zu nehmen, möchte ich Euch einfach nur bitten, lest das Werk. Es lohnt sich wirklich, denn hier wurde eine Erzählung aus dem europäischen Mittelalter ins Moderne gebracht und perfekt in Szene gesetzt. Allerdings würde ich es nicht unbedingt als reines Jugendbuch abstempeln, denn die Geschichte bietet viel mehr und ist vielschichtig und voller zeitgetreuer Probleme durchsetzt. Von mir gibt es jedenfalls eine ganz klare Leseempfehlung.


Wenn ihr mehr über das Werk erfahren wollt, dann besucht doch mal die Verlagsseite.
Ein Klick, der sich lohnt. Viel Freude.

Mein Dank geht auch an Lovelybooks für die Organisation der perfekten Leserunde.
Dankeschön.

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