[Rezension] One Small Thing - Erin Watt

Eine fast perfekte Liebe (Roman)


Quelle: Verlagsseite
Verlag: Piper Verlag
Übersetzt von Franzi Berg
Taschenbuch mit 368 Seiten
ISBN: 978-3-492-06129-2
Erschienen am 04.09.2018
Preis: € 12,99 (D)






Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen





Die 17-jährige Beth hat es nicht leicht. Nicht nur, dass sie seit dem Tod ihrer Schwester Rachel vor drei Jahren, die Zuneigung ihrer Eltern verloren hat und fortan hinter ihrer verstorbenen Schwester zurückstecken muss, auch ihre Zukunftspläne werden von ihren Eltern in Frage gestellt. Sie soll nach dem Abschluss nicht aufs College gehen dürfen, stattdessen wollen ihre Eltern, dass sie das Familiengeschäft übernimmt. Doch Beth möchte etwas ganz anderes.
Jetzt im Abschlussjahr der Highschool möchte sie noch einmal leben. Deshalb schleicht sie sich zu einer Party und lernt dort den gutaussehenden Chase kennen. Spontan erlebt sie mit ihm ihr erstes Mal, was sie ein wenig aus der Bahn wirft. Doch kurz darauf muss sie erkennen, dass es noch ein ganz anderes Problem gibt, denn Chase kommt gerade erst aus dem Gefängnis. Er hat eine Jugendstrafe abgesessen für den Mord an Beths Schwester Rachel. Hat ihre junge Liebe dennoch eine Chance?

Erin Watts Roman „One Small Thing – Eine fast perfekte Liebe“ beschäftigt sich mit einem sehr schweren Thema, weshalb die Grundstimmung recht düster und bedrückend wirkt. Auch durch Beths Lebensumstände wird zusätzliche Dramatik erzeugt, was den Leser fasziniert, zeitgleich auch erschüttert. Doch die zarte Liebesgeschichte zwischen Chase und Beth macht alle dunklen Momente wett und lässt die Erzählung erstrahlen.

Beth ist die Hauptfigur, die die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt.
Sie ist eine junge Frau, die gerade an der Stelle zum Erwachsenwerden steht. Seit dem Tod ihrer Schwester hat sie es nicht leicht. Ihre Eltern trauern nach wie vor um Rachel und Beth muss darauf Rücksicht nehmen. Sie fühlt sich ungeliebt und eher als Gast im eigenen Heim. Beth hat aber Pläne, sie will nach dem Highschool-Abschluss fort von den Eltern und neu durchstarten. Doch auch diese Pläne werden von den Eltern auf Eis gelegt. Beth rebelliert, in dem sie nachts auf Partys geht. Als sie von ihren Eltern erwischt wird, werden ihr sämtliche Vergünstigungen gestrichen. Kein Handy, kein Auto, kein Job, keine Zimmertür. Ihre Eltern entmündigen sie praktisch und dadurch wird die Rebellion nur noch stärker.

Wenn der Leser zu Beginn erfährt, dass Chase wegen Mordes im Gefängnis gewesen ist, wird automatisch suggeriert, dass er gefährlich und skrupellos sei. Doch Chase ist das absolute Gegenteil. Der Unfall, bei dem Rachel starb, hat er fahrlässig verschuldet und seine Zeit der Bestrafung dafür abgesessen. Doch genauso wie alle Einwohner und Mitschüler, kann auch er sich nicht vergeben. Chase geißelt sich praktisch selbst, in dem er den Spott und Hohn erträgt und sich über nichts beschwert, was ihm angetan wird. Er ist zwar ein starker Charakter, dennoch leidet er unter seiner Tat. Erst durch Beth wacht er langsam auf, die als Einzige einen Schritt auf ihn zumacht.

Die Geschichte beginnt eigentlich direkt mit der ersten Party und dem Kennenlernen zwischen den beiden Hauptakteuren. Erst danach wird deutlich, welcher Hintergrund in Beths Verhalten steckt. Denn zunächst glaubt der Leser, dass Beth ein wenig naiv und rücksichtslos ist. Doch eigentlich ist ihr Verhalten nicht merkwürdig, denn sie muss irgendwie agieren und ihrer Machtlosigkeit entfliehen.
Erin Watt hat hier ein paar starke Gefühlskomponenten eingefangen und lebendig umgesetzt. Es fällt leicht, sich auf die Erzählung einzulassen und sich von der tragischen Handlung begeistern zu lassen.

Große Gefühle treffen auf eine Geschichte mit viel Tiefgang!

Mein persönliches Fazit:
Mir gefällt der Schreibstil der Autorin nicht besonders, denn sie schreibt für meinen Geschmack viel zu seicht und jugendhaft. Doch da das mein ganz persönliches Empfinden ist, lasse ich diesen Punkt aus der Bewertung heraus. Darüber hinaus hat sie mit diesem Buch ein sehr interessantes und emotionales Thema aufgegriffen, dass mich richtig begeistert hat. Sie bringt durch den gewaltsamen Tod Rachels und den Schuldgefühlen von Chase eine fulminante Kulisse zu tage, die mich mitreißen konnte. Zu jeder Zeit habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und mit den beiden Protagonisten mitgefühlt. Ich habe mich selbst gefragt, wie ich an Beths Stelle handeln würde. Wie würde ich reagieren, wenn meine Tochter sich mit dem Mörder meines Kindes einlässt? Wie würde ich mich positionieren, wenn andere Schüler den ehemaligen Häftling beschimpfen, beschuldigen oder gar demütigen? In diesem Werk werden so viele Themen angesprochen, weshalb ich noch Stunden weiter darüber diskutieren könnte. Von daher kann ich dem Buch ohne Bedenken meine große Leseempfehlung aussprechen.


Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, dann besucht doch mal die Verlagsseite.
Ein Klick, der sich lohnt. Viel Freude.

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