[Rezension] Two Boys Kissing - David Levithan

Jede Sekunde zählt

Roman


Hardcover mit 288 Seiten
Aus dem Amerikanischen von Martina Tichy
ab 14 Jahren    
ISBN: 978-3-7373-5185-0
Preis € 14,99 (D)



Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen


In diesem Werk geht es um junge Menschen, die bereit sind, sich zu outen. Es geht um junge Männer, die Angst vor ihrer Familie haben, es geht um Jungs, die sich nach Zuneigung und Liebe sehnen...

Während Ryan gerade Avery kennenlernt und sich in ihn verliebt, wollen Craig und Harry mit dem Weltrekord des längsten Kusses die Menschen aufwecken und neugierig machen. Peter und Neill stecken in einer Beziehung, die nicht mehr ganz rund läuft, denn während Peter zu Hause als Schwuler akzeptiert wird, muss Neill erst noch um Anerkennung ringen. Cooper hingegen ist einsam. Er lebt seine Neigungen nur im Internet aus, im Geheimen. Als seine Eltern davon erfahren, sieht er in seinem Leben keinen Sinn mehr. Mariq hat hingegen ganz andere Sorgen. Ist er doch vor wenigen Monaten aufgrund seiner sexuellen Neigung zusammengeschlagen worden. Noch immer hat er Angst, ist aber sofort bereit, Harry und Craig bei ihrem Vorhaben zu unterstützen.

Fünf verschiedene Situationen, acht Jungs, ein großes Problem: Homosexualität.
Egal wer gerade im Mittelpunkt steht, immer wieder dreht es sich um die gleiche Sache, denn alle acht sind schwul. Doch jeder steht an einem anderen Punkt im Leben.

Der Geschichte aus der Feder von David Levithan liegen ein paar realen Begebenheiten zu Grunde. Wie es der Autor im Nachwort beschreibt, gab es diesen Versuch von zwei Teenagern, den längsten Kuss zu inszenieren, tatsächlich. Dieses Ereignis hat ihn also dazu bewogen, diese Charaktere zu kreieren und ihnen Leben einzuhauchen.

Als Leser ist es fast egal, an welcher Stelle die Geschichte gerade handelt, denn alle verschiedenen Episoden sind für sich gesehen unglaublich lebendig und authentisch beschrieben. Besonders bei der Kuss-Sequenz wird deutlich, wie viel Kraft und Anstrengung vonnöten ist. Alles wirkt realistisch und glaubwürdig.
Außerdem sind alle Handlungsstränge sehr emotional und ausdrucksstark beschrieben. Zu allen Jugendlichen fällt es leicht, einen guten Bezug aufzubauen und sich in sie hineinzuversetzen. Der Leser kann ganz leicht Mitgefühl für sie aufbringen. Was auch an der Erzählperspektive liegt. Denn die Geschichte wird mit den Worten derer beschrieben, die bereits gestorben sind, sei es an Krankheiten wie Aids, durch Selbstmord oder Mord. Das bringt die Erzählung erst richtig zur Geltung und erzeugt wahre Gänsehautmomente.

Wer also glaubt, dass dieses Buch eine leichte Abhandlung über das Thema Homosexualität beinhaltet, hat sich getäuscht. Denn obwohl die Geschichte sich leicht und locker liest, wird unterschwellig etwas sehr viel Tiefgründigeres und Erschreckenderes präsentiert. Viele Menschen begegnen dem ganzen Thema heutzutage immer noch mit Ablehnung, Verdrängung oder gar Hass. Durch diese acht sehr unterschiedlichen Jugendlichen wird jedes Problem präsent und ideal in Szene gesetzt.

Fazit: Mich hat diese Geschichte berührt und ergriffen. Innerhalb kürzester Zeit habe ich das Werk verschlungen. Schon nach wenigen Seiten habe ich mich ganz auf die Jungen einlassen können und sie in mein Herz geschlossen. Jede Person für sich ist interessant und facettenreich, genauso wie die Handlung, die mich überrascht hat. Auch die Erzählperspektive ist mal etwas ganz anderes und hat mich nachhaltig bewegt. Ich kann dieses Buch also jedem Leser bedenkenlos empfehlen und wünsche mir für die Zukunft einfach mehr Menschen, die dem Thema aufgeschlossen gegenüber stehen.

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