[Rezension] Wundergirl - Meike Cuddeford


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Verlag: epubli GmbH
Taschenbuch mit 468 Seiten
Erschienen am 4. Dezember 2014
ISBN: 978-3737517010



Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen




Sexuelle Übergriffe auf Kinder – und ihre Folgen …

Minna hat ihr Leben als Studentin erst einmal an den Nagel gehängt. Wenn sie auch den Bachelor geschafft hat, so kann sie sich im Augenblick nicht vorstellen, als Lehrerin vor einer Klasse mit Kindern zu stehen und diese zu unterrichten. Vielmehr versucht sie durch ein paar private männliche Kontakte etwas Geld zu erzielen. Doch auch das scheint nicht von Dauer zu sein. Ganz langsam bröckelt alles ab, was sie sich mühsam errichtet hat. Und dann erhält sie auch noch die Nachricht, dass ihr Vater wieder in der Stadt ist. Der Mann, den sie mit 12 Jahren gebraucht hätte, doch der sich damals nicht um sie gekümmert hat. Als dann noch ein Mord passiert, muss sie sich plötzlich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander setzen.


Autorin Meike Cuddeford beschreibt mit „Wundergirl“ einen sehr einfühlsamen und tiefschürfenden Roman, der kein Blatt vor den Mund nimmt und in die dunklen Tiefen sexueller Übergriffe auf Kinder eingeht.

Im Mittelpunkt dieser sehr düsteren Erzählung steht die 25-jährige Minna, die sich an der Grenze zur Legalität bewegt und inzwischen vier Freier regelmäßig bedient. Doch diese Arbeit scheint von Woche zu Woche mühsamer zu werden, da die Herren mit einem Mal ganz andere Anforderungen an sie stellen. Jeder für sich ist für Minna zu einer Plage geworden, doch ohne diese finanzielle Unterstützung wäre es ihr kaum möglich, den weiteren Lebensunterhalt zu bestreiten. Als es dann zu dem Mord kommt, gerät auch Minna in den Verdacht, etwas mit der Angelegenheit zu tun zu haben. Die ermittelnde Polizistin nimmt Minna genau unter die Lupe und kommt damit den traurigen Details immer näher.

Abwechselnd, mal in der Gegenwart, dann wieder in der Vergangenheit, beschreibt die Schriftstellerin die Vorgänge, die sich zwar leicht lesen lassen, doch alles andere als leichte Kost beinhalten. Schon nach den ersten Seiten wird deutlich, dass sie keine Szene verschönt um den Leser vor grausamen Beschreibungen zu bewahren. Nein, Meike Cuddeford erzählt offen und ehrlich eine dramatische Geschichte, die zum Nachdenken animiert.

Die ganze Geschichte baut sich langsam und nachvollziehbar auf. In jeder Rückblende werden neue Einzelheiten aus Minnas Vergangenheit deutlich, die sich nach und nach zu einem großen Gesamtbild zusammenfügen. Es ist einfach, einen guten Bezug zu der jungen Frau aufzubauen, die trotz ihrer derzeitigen Misere immer sympathisch erscheint. Besonders im Hinblick auf ihre Erlebnisse ist es möglich, sich ihr heutiges Dasein lebendig vorzustellen und sich in sie hineinzuversetzen.

Fazit: Die Geschichte um Minna, das „Wundergirl“ ist fesselnd und dramatisch. Selten hat ein Buch so viele Emotionen geweckt, denn der Wunsch nach Gerechtigkeit ist während des Lesens sehr groß. Minna und ihre Erlebnisse lassen einfach nicht los und wecken den Wunsch, dass solche Taten einfach nicht ungestraft bleiben dürfen. Kinder brauchen unseren besonderen Schutz, und müssen vor Missbrauch geschützt werden. Dem Werk kann ich nur die volle Punktzahl geben und eine große Leseempfehlung aussprechen.

Weitere Informationen zum Buch findet ihr auch auf der Verlagsseite.
Meine Rezension bei Amazon!
*****

KURZ – VITA

Meike Cuddeford: Jahrgang 1969
Sie stammt aus Leer in Ostfriesland. Die promovierte Tierärztin verbrachte mehrere Jahre in Schottland und Südfrankreich.  Zur Zeit lebt sie mit ihrem englischen Mann in Norddeutschland.

KURZ-INTERVIEW mit Meike Cuddeford

Anja: Der Roman bearbeitet ein sehr schweres Thema. Wie hast Du Dich auf diese Arbeit vorbereitet? Und wolltest Du schon immer ein Buch über sexuellen Missbrauch verfassen? Lag Dir das Thema besonders am Herzen?

Meike: Mit dem Thema kam ich während meines FSJ (Freiwilliges Soziales
Jahr) in Berührung, das ich in einem Jugendamt absolvierte. Man hört zwar viel über diese Problematik, doch was „Sexueller Missbrauch“ (in meinen Augen ein verharmlosender Begriff!) wirklich bedeutet, wird einem erst klar, wenn man mit betroffenen Kindern oder Jugendlichen zusammentrifft. Seit damals, also seit etwa zwanzig Jahren, hatte ich das Bedürfnis gespürt, etwas über meine Erfahrungen zu Papier zu bringen, wusste aber nicht, wie ich am besten an dieses schwierige Thema herangehen sollte. Die Initialzündung für den Roman „Wundergirl“ war schließlich ein zufälliges Wiedersehen mit einer Betroffenen, das mich sehr erschütterte.

Anja: An welchem Projekt arbeitest Du aktuell? Schreibst Du schon ein neues Werk? Wenn ja, was wird uns erwarten? Wenn nein, was machst Du, wenn Du keine Bücher schreibst?

Meike: Ich arbeite derzeit an verschiedenen Projekten, die unterschiedlicher nicht sein könnten:
- Ein Roman, der in Irland spielt und von einer jungen Frau handelt, die unter dem schlechten Verhältnis zu ihrem Vater leidet und dem Grund dafür auf die Spur kommt.
- Dann die Geschichte einer Frau, die ihr Eheleben als „Goldenen Käfig“ empfindet und nur langsam merkt, dass der Tierarzt, mit dem sie seit einiger Zeit verheiratet ist, unter krankhafter Eifersucht leidet und bereits seine Exfrau in den Wahnsinn getrieben hat.
- Zu guter Letzt eine leicht phantastisch angehauchte Novelle, deren Protagonist mit aus der Mode gekommen Werten handelt, und wie dabei eine ungewöhnliche Freundschaft entsteht.

Ein Bekannter sagte kürzlich zu mir:
„Ja, ja, du schreibst, aber du bist eigentlich Tierärztin, nicht wahr?“ Ich gab ihm zur Antwort, dass ich zwar noch gelegentlich (über meinen Mann, der Agrarwissenschaftler und auf die Ernährung von Pferden spezialisiert ist) mit der Tierwelt in Kontakt komme (und davon auch lebe), aber nein …: „Eigentlich bin ich Schriftstellerin!“

Vielen, vielen Dank Meike, das Du Dich meinen Fragen gestellt und sie so herrlich erfrischend beantwortet hast. Ich wünsche Dir noch ganz viele neue Leser, die genauso begeistert sein werden, wie ich es bereits bin. Danke!

Und allen anderen empfehle ich einen kurzen Blick auf Amazon
oder auf die Verlagsseite von ePubli.

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