Unter dem Südseemond - Regina Gärtner *****

Verlag: Heyne
592 Seiten
ISBN: 978-3-453-41153-1
Preis: € 9,99 (D)

Deutschland, Samoa 1899:
Alma lebt mit ihrem Vater und ihren Geschwistern in Köln und arbeitet mit im elterlichen Schneiderbetrieb. Seit einiger Zeit trifft sie sich nun schon mit einem netten jungen Mann, der ihr versprochen hat, gleich nach ihrem 20. Geburtstag um ihre Hand anzuhalten. Aber dann kommt alles ganz anders, denn ihre Zwillingsschwester ist plötzlich schwanger, von genau diesem jungen Mann.
Um Alma in Sicherheit zu wiegen, wird sie von ihrem Vater sofort mit dem älteren Hermann Stieglitz zwangsverheiratet. Hermann hat sich auch schnell in Alma verguckt, was jedoch nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Dennoch nimmt Alma die Ehe und die damit verbundene Reise ins Ungewisse auf sich. Denn Hermann muss nach Samoa, um dort für seine Firma eine Außenstelle zu leiten.

Schon während der Fahrt nach Samoa muss Alma feststellen, dass es Hermann mehr um sein eigenes Prestige geht, als um seine Frau. Als es zu einer Beinah-Katastrophe kommt, wird sie von dem angehenden Steuermann des Schiffes, Joshua Fitzgerald, gerettet. Sofort spürt sie die Anziehung zwischen ihnen und kann kaum die Augen von dem jungen Mann abwenden. Aber wie sollte diese kleine Romanze Bestand haben, wenn sie auf Samoa festsitzt und ihr Geliebter auf einem Schiff um die Welt reist? Alma muss sich fokussieren und darauf achten, was wichtig ist. Für sie und für ihre Familie in Deutschland. Doch was will ihr Herz?

Schon gleich zu Beginn des Buches ist die Dramatik auf den Seiten zu spüren. Alma ist Leidtragende in der ganzen Handlung und wird zum Schluss auch noch unschuldig bestraft. Und die Konsequenzen führen sie zu einem Mann, den sie nicht liebt und einer Reise ins Ungewisse.

Alma ist ein herzlicher Charakter, der schnell das Herz des Lesers erreicht. Ihre Hoffnungen und Sorgen sind während der gesamten Erzählung präsent und werden glaubwürdig und facettenreich beschrieben. Etwas naiv muss sie erst noch lernen, mit den Gebräuchen der samoanischen Einheimischen umzugehen und sich anderen Landsmännern und -frauen gegenüber zutreten. Aber nach gewisser Zeit hat Alma sich Respekt verschafft und wirkt dadurch stärker und selbstbewusster.

Almas Ehemann Hermann ist nicht unbedingt ein schlechter Mensch, wenn er Alma auch nicht immer zuvorkommend behandelt. Er hat sein Hauptaugenmerk auf seine geschäftliche Zukunft gelegt und wartet sehnsüchtig auf den erhofften Erben. Alma hätte es schlimmer treffen können und das weiß sie im tiefsten Inneren auch zu schätzen. Vielleicht ist gerade das ein Grund, weshalb sie eine Beziehung zu dem Matrosen Joshua hinauszögert, obwohl ihr Herz jedes Mal schneller schlägt, wenn sie an ihn denkt.

Besonders positiv ist anzumerken, dass viele geschichtliche Details in die Erzählung hineingeflossen sind und so den Beginn des 20. Jahrhunderts lebendig erscheinen lassen. Die ersten Automobile, die wachsende Wirtschaft und die schnellen Übermittlungen per Telegraphie erzeugen einen ersten Eindruck von der modernen Zukunft.

Die Handlung beginnt in Köln und führt den Leser dann schnell auf die sommerliche Südseeinsel Samoa. Auch hier schafft es Autorin Regina Gärtner, die Kulisse realistisch wirken zu lassen. Immer wieder werden die politischen Hintergrundinformationen der damaligen Zeit eingefügt, die den damaligen Wandel in der Weltgeschichte präsentieren.

Fazit: Ein rundum gelungenes Werk, das nicht nur Freunde von historischen Geschichten begeistern wird. Mit einer überzeugenden und perfekten Hauptprotagonistin fällt es leicht, sich auf die Erlebnisse einzulassen und mit ihr mit zufiebern. Die junge Liebe zwischen Joshua und Alma erwärmt das Herz des Lesers und bietet genug Raum zum Erblühen. Mit einem wunderschönen Cover, das schon vor dem Lesen zum Träumen animiert, ist Regina Gärtner mit diesem Roman ein wahres Meisterwerk gelungen.
Von mir gibt es 5 von 5 Sternen und eine große Leseempfehlung!

Vielen Dank Regina Gärtner und dem Heyne-Verlag für das Rezensionsexemplar und euer Vertrauen in mich. Ich freue mich schon jetzt auf weitere Werke aus der Feder von Regina.

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