Interview mit Horus W. Odenthal,

dem Autor zur eBook-Reihe Ninragon   

Hallo Horus,

vielen Dank, dass Du mir die Möglichkeit gegeben hast, dieses eBook zu lesen und auch zu rezensieren. Zunächst habe ich befürchtet, dass ich ein ganz normales Fantasy Buch vor mir haben würde, doch spätestens bei dem Angriff des Kunaimra wurde mir erstmals bewusst, dass dieses Buch so viel mehr beinhaltet. Spannend und fesselnd erzählst Du die Geschichte Auric des Schwarzen und hast mich mit der Erzählung vollkommen überzeugt.


Anja: In Deinem Blog schreibst Du, dass Dein bestes Projekt Deine Zwillingsmädchen sind. Dazu kann ich Dir nur gratulieren und zustimmen, die Familie ist und bleibt das Wichtigste.
Wenn Du mal nicht mit Deiner Familie zusammen bist, welchen Freizeitaktivitäten kommst Du gerne nach?

Horus W. Odenthal: Seit der Herausgabe der eBooks bin ich sehr beschäftigt, da es nicht nur um das Schreiben geht sondern ich auch noch tausend Aufgaben nachkommen muss, die rund um solche Buchprojekte anfallen. Aber wenn ich gerade nichts mit meinen beiden Mädchen unternehme, nutze ich meine Zeit zum Lesen. Der Stapel der Bücher, die ich unbedingt lesen will, ist inzwischen gewaltig angewachsen. Momentan ziemlich viel Fantasy, SF, Phantastik allgemein. Ansonsten interessiere ich mich für Filme und ausgewählte TV-Serien, solche Sachen, die aus der Masse hervostechen. Meine Lieblingsserie ist "The Shield". Momentan schauen wir uns die erste Staffel von "Justified" an. Mir gefäält sehr die Haltung und die Stimmung, die durch die Erzählungen von Elmore Leonard angelegt sind, was dadurch verstärkt wird, dass er auch selber mitproduziert hat.

Anja: Mit der Trilogie Ninragon ist Dir ein wunderbarer Grundstein für weitere Werke gelungen. Welche Projekte stehen als nächstes an? Schreibst Du schon an einer neuen Geschichte?

Horus W. Odenthal: Momentan überarbeite ich eine alte Geschichte zur Herausgabe als eBook – Hyperdrive, ein Science-Fiction-Roman der weit in der Zukunft des Ninragon-Kosmos angesiedelt ist. Die erste Episode ist bereits als eBook bei Amazon erschienen.
Danach muss ich erst mal sehen, welches Projekt ich als nächstes verfolge. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem auch, wer was von mir lesen bzw. veröffentlichen will. Schließlich soll es meine Romane betreffend nicht bei den eBooks bleiben sondern ich möchte auch die Leserschaft von Print-Büchern erreichen. 
Ich habe zahlreiche Projekte schon vorbereitet, die den Ninragon Kosmos weiterverfolgen. Einige davon gibt es als grobe Synopsen, zu anderen besteht schon eine fertige Struktur mit ausgearbeitetem Plot-Aufbau sowie Textanfänge von 50 bis 120 Seiten, so dass ich mich morgen am Tag hinsetzen und sie schreiben könnte. Es sind recht unterschiedliche Bücher. Einige sollen direkt an die Handlung von Ninragon anschließen; das erste davon steht für sich allein und ist fünf Jahre nach dem Ende von Ninragon angesiedelt, eine Mischung aus Fantasy und hard-boiled Cop-Thriller, worauf ich mich sehr freue. Die Mischung erscheint vielleicht auf den ersten Blich etwas ungewöhnlich, aber ich habe den Anfang schon geschreiben und es funktioniert ganz ausgezeichnet und organisch. Andere Erzählungen spielen 400 Jahre nach Ninragon, oder bringen sogar den Ninragon-Kosmos in unserer Gegenwart, was man dann also wahrscheinlich als Urban Fantasy bezeichnen würde. Es ist also genug zu tun und viele Ecken des Ninragon-Kosmos sind interessant. Es warten viele Überraschungen auf meine Leser.

Anja: Hattest Du von Anfang an vor, einen Fantasy Roman zu schreiben? Liest Du privat auch gerne Bücher aus diesem Genre?

Horus W. Odenthal: Wie ich zur Fantasy kam, ist so eine Sache. Ich früher habe Fantasy mit Begeisterung gelesen, aber dann habe ich dieses Genre irgendwann vernachlässigt und aufgegeben, weil mich die immer neuen Aufgüsse der gleichen Konzepte langweilten. Dunkle Herrscher, Knaben der Prophezeiung, märchenhaftes, Questen nach magischen Artefakten. Ich konnte den ganzen Quark nicht mehr hören. Man könnte sagen, dass ich mit meinen Lesegewohnheiten erwachsener wurde, aber den Eindruck hatte, dass das eigentlich von mir geliebte Genre dies Entwicklung nicht mit vollzog.
Als ich anfing zu schreiben, war das erste, was ich in Angriff nahm Science Fiction, eben dieser Roman "Hyperdrive", der jetzt endlich herauskommt.
Ich wanderte immer wieder durch die Buchhandlungen und fasste die Neuerscheinungen der Fantasy prüfend und mit spitzen Fingern an. Nach Klappentext und ersten Sätzen war ich dann meist raus. Das Wort "Knabe", dunkler Herrscher, wie schon gesagt. Das brauchte ich nicht. Irgendwo in mir gärte aber wohl der Gedanke, einmal selber einen Fantasy zu schreiben, dann aber richtig, so dass sie mir gefiel. Denn, wie gesagt, eigentlich und grundsätzlich mochte ich das Genre. Ich machte also verschiedene tastende gedankliche Versuche, wie Fantasy, die mir gefiel, aussehen müsste.
Den Ausschlag gab dann, dass mir das Buch "The Darkness that Comes Before" von R. Scott Bakker in die Finger fiel. Es überzeugte mich endgültig, dass man in diesem Genre etwas Gutes und Anspruchsvolles schreiben könnte. Dann kam quasi mein zweites Erweckungserlebnis: Mir kam nämlich der Gedankenblitz, dass man das, was "Deadwood" mit dem Western macht, genauso gut mit der Fantasy machen könnte. Von diesem Punkt an entwickelte sich alles von selber. Mir wurde klar, dass man alle Stories als Fantasy erzählen konnte, alle Konzepte in dieses Genre übersetzen konnte. Ich ging im Kopf alle möglichen Plots aus anderen Genres durch, übersetzte sie in Fantasy – es ging! SF-Konzepte und Stories. Roboter, Androiden? Das waren künstlich geschaffene Kreaturen. In der Fantasy würde man so etwas z.B. Homunkuli nennen. Bewusstseindownloads, Klone, Körpertausch – alles möglich. Von diesem Punkt an erblühte man Kosmos. Und ich fing an die Fantasy für mich zu erobern.
In der Folgezeit, während ich schon weit im Plot von Ninragon drinsteckte, musste ich feststellen, dass ich nicht allein war. Unbemerkt von mir hatte eine neue Welle der Fantasy begonnen, die genau das, was ich mit diesem Genre machen wollte mitvollzog, die sich genau aus der gleichen Unzufriedenheit mit all den alten Klischees, Konzepten und der unrealistischen Weltsicht speiste. R.Scott Bakker, den ich schon kannte, die Fantasy-Roman von Richard Morgan, Joe Abercrombie, um nur einige zu nennen. Ach ja, und Glen Cook, der fast ganz unbemerkt schon in den 80ern die Fantasy eigenhändig revolutioniert hatte. Während ich mich auf meine kleine Revolution der Fantasy bemühte, hatte diese um mich herum – im Ausland – schon stattgefunden, und ich fand mich – zwar noch unveröffentlicht – als Teil einer Bewegung. Das sind auch genau die Fantasy-Romane, die ich heute gerne lese. Inzwischen gibt es eine Menge aus dieser neuen Aufbruchswelle der Fantasy, und ich komme kaum mit dem Lesen nach.

Anja: Wenn Du drei Wünsche für die Zukunft frei hättest, welche wären das?

Horus W. Odenthal: Eigentlich ist es nur ein großer kompakter Wunsch für die Zukunft, an dem ganz viele kleine Teilwünsche dranhängen.
Ich wünsche mir mit meiner Familie glücklich und erfüllt zu leben, so wie ich es will und da, wo ich es will, die Bücher zu schreiben, die ich schreiben möchte und damit meine Erzählwelt auszuspinnen und weiterzuentwickeln.
Als zweites wünsche ich mir obendrein, nie mit dem Wachsen und sich Fortentwickeln aufzuhören.
Als drittes wünsche ich mir – und das ist damit eng verbunden –, dass mir niemals die Wünsche für die Zukunft ausgehen und ich immer nach vorne schaue.
Selbstverständlich wünsche ich mir das auch für meine Lieben, meine Familie und meine Freunde um mich herum.

Ein großes Dankeschön für die ehrliche Beantwortung meiner Fragen. 
Ich wünsche Dir für Deine eBook-Reihen weiterhin sehr viel Erfolg. 
Vielen Dank und liebe Grüße
Deine Anja

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