Der Löwenzahnjunge - Karen Kingsbury *****


Als Tracy Harris die Diagnose erhält, dass ihr dreijähriger Sohn Henry unter Autismus leidet, verändert sich ihre Welt vollkommen. Die vorher glückliche Ehefrau und Mutter verliert mit einem Mal alles, was für sie wichtig war, ihr Mann flieht nach Alaska, ihre beste Freundin bricht mit der Freundschaft und ihr Sohn verwehrt ihr jeden Kontakt. Sie darf ihn nicht mehr in den Arm nehmen, ihn berühren oder einen Kuss geben. Und Henry sieht sie auch nicht mehr an, denn seine Augen sind immer auf einen Punkt in seiner eigenen Welt gerichtet.

Fünfzehn Jahre später ist Henry fast erwachsen, doch er lebt weiterhin in dem Gefängnis in seinem Kopf. Er besucht die staatliche Schule, die ein Förderprogramm für Sonderschüler beinhaltet. Als er eines Tages die junge Ella kennenlernt, spüren beide, dass sie sich besser kennen, als es eigentlich möglich ist. Auch die Augen des anderen sind ihnen sehr vertraut.

Ella verspürt den Drang, Henry zu helfen. Sie hat schnell erkannt, dass er Musik liebt. Da sie selbst an der Theatergruppe teilnimmt,, die das Musical "Die Schöne und das Biest" einstudiert,  kann sie die Lehrer überzeugen, Henry an den Proben teilhaben zu lassen. Und mit einem Mal passiert ein kleines Wunder. Henry durchbricht seinen Teufelskreis. Nach fünfzehn Jahren spricht er zum ersten Mal und beginnt zu singen. Für sich selbst, den Chor und für seine Familie. Und Ella ist davon überzeugt, dass Gott noch Großes mit Henry vorhat.

Henry Harris ist ein bildhübscher junger Mann und wenn er nicht gelegentlich mit den Armen wackeln würde, könnte kaum jemand auf seine Behinderung schließen. Doch Henry leidet unter Autismus. Er hört die Musik in seinem Kopf und betet für jeden, der ihm begegnet. Er kann sich noch sehr gut an die Sonntagsschule erinnern und die wichtigen Worte, die ihm dort gelehrt worden sind. Gott beschützt alle und er weiß das. Er möchte, dass alle Menschen glücklich sind, auch die, die es nicht besser wissen. In Ella erkennt er seine alte Sandkasten-Freundin wieder und nach einer schier unendlichen Zeit nimmt er zum ersten Mal wieder Kontakt mit einem Menschen auf.

Mit einer sehr lebendigen Erzählweise taucht der Leser gleich auf den ersten Seiten in das Leben um Henry, Tracy, Ella und einigen anderen Charakteren ein. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem autistischen Jungen, doch auch alle anderen müssen einen Weg finden, mit dem Leben fertig zu werden. So hat Tracy nach dem Verlust ihres Mannes und ihrer besten Freundin noch viel aufzuarbeiten. Dan, der Vater von Henry, muss sich seinem eigenen Sturm stellen und sich bewusst werden, was wirklich wichtig ist. Mr. Hawkins, der Lehrer von Ella, muss lernen, dass er ab und an auch auf andere Menschen vertraut und sich einfach in die Hände Gottes begibt. 

Die Autorin hat mit dem Buch "Der Löwenzahnjunge" ein sehr emotionales Thema angesprochen. Denn die Betroffenen leiden und fühlen sich hilflos und alleine. Nicht nur das Kind verschließt sich, auch die Familien verlieren sich. In diesem Werk gelingt es Karen Kingsbury sehr gefühlvoll eine Barriere zwischen Verzweiflung und Hoffnung zu finden. Und mit jeder kleinen Veränderung, die Henry mit sich bringt, verändern sich auch die Betroffenen. Durch den autistischen Jungen lernen alle die Liebe zu schätzen und Gott zu vertrauen.

Wer sich auf dieses Buch einlässt, kann sich den Emotionen und Gefühlen nicht verschließen. Liebevoll und sehr sensibel kann der Leser Einblicke in die Welt des Autismus nehmen und zusammen mit allen Beteiligten hoffen und bangen, und auf die kleinen Wunder zu warten. Ein fantastisches Buch, das bewegt und nicht mehr loslässt. Tränen der Trauer und Freude werden gemeinsam mit Henry und Ella vergossen und verschmelzen so zu einem perfekten Ensemble. Große Empfehlungsgarantie.

Vielen Dank an den Brunnen Verlag, dass ich dieses wundervolle Buch lesen und auch rezensieren durfte. 

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